Jung. Frisch. Neu. Ungewohnt. Irgendwie freundlich. Manchmal aber auch angespitzt. Trifft alles zu auf diesen jungen, diesen sehr jungen Mann. Und dann kommt er ausgerechnet aus Stuttgart. Aber jene Zeiten, als ohne Hood, ohne ein Ghetto weit und breit eigentlich auch nicht gerappt wurde, sind längst vorbei. Kalter Kaffee. Jedenfalls klingen die Rhymes von Flex nicht so gequält nach dem Straßenkampf der Metropolen, dafür sind seine kleinen Fights und Abrechnungen mit dem Alltag für fast jeden Menschen seines Alters nachvollziehbar.

Eine Vita voller Abenteuer allerdings hat Flex, der 1994 in Stuttgart zur Welt kam, durchaus vorzuweisen. Als er elf Jahre alt war, zog er mit seiner Familie nach Namibia, ging zwar auch dort weiterhin ziemlich normal zur Schule, aber: Hey, er lebte in Südwestafrika! Und gründete dort zwei Jahre später mit seinem Bruder und zwei einheimischen Background-Sängerinnen die Band „Hustlenamics“, mit der er für einen vom Goethe Institut veranstalteten Abend sogar einen Auftritt als Support der „Massiven Töne“ in Windhoek hatte und dort auch sein erstes Album aufnahm und veröffentlichte. Seit 2011 ist Flex zurück in Deutschland, hat in den beiden Folgejahren im eher semiprofessionellen Umfeld eine EP veröffentlicht und macht sich langsam warm für den finalen Sprung in die nächste Liga.

Als er mit neun Jahren auf die Rap-Musik aufmerksam wurde, erzählt Flex, „verliebte ich mich sofort in die vielfältigen Sprachrhythmen und die melodiösen Kopfnicker-Beats. Mit zehn konnte ich den Titelsong ’Loose yourself’ aus dem Film ’8 Mile’ von Eminem auswendig, obwohl ich kein Wort verstand“. Die fünf Jahre in Namibia hätten auch seine musikalische Laufbahn geprägt, „nicht nur, weil in der erhitzten Wellblechgarage neben Bananen- und Zitronenbäumen alles begann, sondern auch weil ich durch die Einheimischen besondere Trommelrhythmen kennen lernte und bald schon selbst spielen konnte. Dies verlangte ein ausgesprochen gutes Rhythmusgefühl, das ich mir in diesen Jahren aneignete“.

Wovon auf seinen Tracks viel zu hören, manches immerhin zu erahnen ist. Dort ein paar punktgenaue Beats, hier eine schwelgende Orgel und Raps ohne geballte Faust oder ausgestreckten Mittelfinger. „Ich versuche“, sagt Flex, „die Rolle der Instrumental Beats in meinen Songs hervorzuheben, indem ich sie möglichst abwechslungsreich und melodisch gestalte“. HipHop-Beats seien bekannt dafür, aus sich wiederholenden, weniger melodischen Loops zu bestehen, „genau das will ich eben nicht. Wenn die Stimme schon, na ja, monoton ist, soll doch wenigstens der Beat spannend aufgebaut sein. Und er soll voll klingen. Er soll den Text unterstreichen“. Er mache aus diesem Grund zuerst den Beat, überlege sich anschließend, welche Stimmung er vermittelt und schreibe erst dann schließlich den Text. „So gelingt es mir, dass beides perfekt miteinander harmoniert“.

All das besitzt einen ähnlich trockenen Humor wie das Frühwerk der Fanta 4, passt aber halt viel besser in unsere Tage. Genauso wie Flex, der sich mit seinen gerade einmal 20 Jahren schon einen echt erstaunlichen Kosmos in seinen Liedern erschaffen hat. Es dürfte kein Fehler sein, den jungen Enthusiasten weiter zu verfolgen. Seine Geschichte ist noch lange nicht zu Ende geschrieben, sie fängt gerade erst an.

www.flex-official.de